Alle Artikel von KUNO

Mehr Zeit

Während die einen schon ihren Arbeitsauftrag beendet haben, sich zufrieden zurücklehnen und die Hände in entspannter Gebetshaltung über den Bäuchen verknotet haben, kommen die Anderen nicht zum Schluss. Nein, sie haben noch nicht einmal richtig angefangen. Die suchen zunächst nach……

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  und über uns schwankt ein Baum neigt Getreide sich in leichtem Wind   finde nach Innen       *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2019 Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie……

Café Pathos

„Hier geht’s runter, Sie werden erwartet“, sagte Ortmann, der Regisseur, zu dem einzigen Zuschauer, der an einem Sommerabend im letzten Jahr des letzten Jahrtausends das Stück eines Schauspielers erleben wollte, das nur für einen einzigen Zuschauer gedacht war. Kautsky hatte……

nimm mich [beta]

gelesen alles gelesen / erdacht ergänzt gesagt geschrieben / in form gebracht / bin ich die struktur deiner zeit / und immer ein jetzt / die grablegung der sprache hat uns verständnislos gemacht / erwachen / wachküssen / und das……

Der Nachtzug

    War’s nicht ein Zug der Zeit, der Sehnsucht pfiff? Es mengte sich ins Gleisgeräusch, das Pfeifen, Ins Quietschen durch das Eisenreifen-Schleifen: Der Westwind war’s, der diese Töne griff   Und durch die Weiten trug bis an ein Ohr….

Fetzen

Sah ich gerade noch die beiden Damen im Park vertraut sich nähern auf ihrem Weg wohl schon Jahr um Jahr die Zeit vergehen die Köpfe mir zugewandt Laute Töne Konsonanten sich beim Namen nennen, entgegenkommend trafen mich die Worte unvorbereitet……

Poetry Slam

Kautsky stellte sich vor, wie sie kleine Plastikeimer mit Glasscherben austeilten. Die Girls kletterten in den Ring und rissen ihm das Hemd vom nassen Leib. Dann flogen die Scherben durch die Luft….

POLLEN

Seit die stadt sich ablaicht und ihre häuser verstößt ziehn wir dahin   ich geh mit verdammten und halt mich erlöst In wie viel sterbenden städten war es daß ich saß igel gebraten in lehm und ratten gemächlich aß Ich sah……

Bensch, Kraus und Peer Quer

Ich stehe vor der Mikrowelle und heize einem lauwarmen Milchkaffee ein, den mir meine Frau Claudia von unterwegs mitgebracht hat. Die grüne Leuchtanzeige zählt die Sekunden herunter. Mein Blick schweift über die Raufaser und bleibt an einer elf Jahre alten……

Herzlose Liebe

Tod. Sich einlassen, Absichten ablegen, auflösen, was hält, zur Bewältigung erlernt, zum Ertragen benötigt war, brechen, was Lust bereitete, Angst versinkt in Selbstauflösung. Mit….

Kronos IV

Der Raum ist schwarz. Langsam fließt Blau steil hinab, tiefblau, hellblau, zartblau angestrichene Strahlen von Licht. Flirrende Töne fließen mit, sie schwellen an und füllen den Raum so laut, dass die Farben zittern, dann wird es leise….

BALLADE FÜR NEAPEL

  Kennst du sie wieder Ginetto schau dir das paßfoto an Ihr letztes wort: maledetto Gott du verfaulst in St Gian In staubigen spielen als jungen alles lernten sie was sterben heißt   was: gedungen und wann man da rauskommt: nie……

lebenswertewandel

    auf den wendeltreppen der elfenbeintürme steigen intellektuelle notlügen zu harmlosen schadstoffen auf in geringen mengen produziert unterhalb der gefährdung menschlichen glücks warten händler und wirtschaftsweise auf höhere gewinnspanner   bei rosinenbrot und pokerspielen schwingen im politzirkus direktoren ihre……

Dies da

Dies da, in der Ferne unantastbar, lässt es sich greifen, dem GesichtsSinn der Hand nah.  Das, was mit Worten Distanz schafft, entzieht sich in die erstarrende Geste. Die Beharrlichkeit des Abstandes wandert und  bleibt als Gewusstes….

Nebelmeer

Jedes Mal wenn Nebel das Haus umwaberte, fühlte er sich glücklich. Keine weite Sicht konnte diese intime Heimeligkeit stören. Manchmal kamen Vögel aus dem Unerkennbaren angestürmt, vor allem schwarze Amseln….

Am Hang

  In den Weiden sammeln sich die Krähen, wo der Fluß forteilt und schweigt. Der südliche Bogen der Stadt Zieht an den Kernbergen vorbei, ein gleißendes Grau Im sich mehrenden Novemberdunst. Verlassen, verwaist Liegt der Garten, wo mein Fensterspecht wohnt….

Stangerbad

Es war die erste Nacht nach der Operation. Ich konnte nicht einschlafen. Trotz aller Mattheit war ich aufgeregt und neugierig darauf, wie ich aussehe, wenn alle Wunden verheilt sind….

Vom Blockwart zum Blogwart

Der Blockwart der NSDAP. Laut Wikipedia war er zuständig „für 40 bis 60 Haushalte (…) mit durchschnittlich rund 170 Personen“. Er hatte seine „arische Abstammung bis zum Jahre 1800 nachzuweisen“ und „war zu vorbildlichem Verhalten auch im Privatleben angehalten“….