Alle Artikel von Volltext

Farbe bekennen

Anna Kim. Foto: EJ van Lanen Vor ein paar Monaten erhielt ich die Anfrage, ob ich einen Offenen Brief unterzeichnen würde, der folgendermaßen beginnt: „Am 13. April machte die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse ihre Shortlist öffentlich….

Stamina

Sandra Gugic.Foto: Dirk Skiba Die Augen öffnen, auf dem Rücken treiben, unter einem restlos zufriedenen Himmel, alles an dieser Situation könnte richtig sein, aber im ersten Stock öffnen und schließen sich unermüdlich Fenster. Am Morgen durften wir zwischen vier …

Am Rande der Welt

Günter Eich, Schluchsee, Mai 1950. Foto: Nimbus, Kunst und Bücher Der Dichter Günter Eich (1907–1972) steht seit einiger Zeit nicht mehr auf der Agenda des Literaturbetriebs. Er firmiert heute in Lexika als „Kahlschlag“-Literat und erfolgreicher Hörspielautor der Nachkriegszeit, der sich …

Das „O“ bei Hölderlin

Nach wochenlanger Hölderlin-Lektüre habe ich endlich Ben Lerners Essay The Hatred of Poetry gelesen, um vielleicht etwas zu finden, was mir all das nicht Verstandene zumindest ein bisschen erklärt. Darin gibt es den, wie ich glaube, bezwingenden und nahezu tautologischen …

Lücken

In der Kinderserie Pan Tau gibt es eine Folge, in der Menschen ihre Münder verlieren. Sie fallen einfach aus den Gesichtern, doch bevor sie auf dem Boden aufschlagen, öffnen sich die Lippen, und die Münder fliegen davon wie Schmetterlinge….

Flaschenzeit

David Bröderbauer. Foto: Matthias Guido Braudisch Ich arbeite an einem Roman, der in der Zukunft spielt und von der Vergangenheit handelt. Die Zukunft zu konstruieren ist einfach….

Comeback für das „Fräuleinwunder“?

Mit Amanda Gorman, die zu Beginn dieses Jahres bei der Inauguration der neuen US-Präsidentschaft ein rhapsodisches Gedicht vorgetragen und damit weltweite Resonanz erzeugt hat, kam das literarische „Fräuleinwunder“ nach längerer Pause zu einem wirkungsmächtigen Auftritt. Nicht nur die junge Autorin …

An Sonntagen

Es ist nichts Außergewöhnliches, sagte die Großtante, als sie aus dem Fenster zeigte. Wir saßen auf der Kücheneckbank und drehten uns um. Auf der anderen Straßenseite sahen wir die Gendarmerie, rechts davon den großen Parkplatz….

Krieg und Frieden

Leo Tolstoj Mitte der 1860er-Jahre, als er Krieg und Frieden schrieb. Foto: Bibliothèque de Genève Brechts Diktum, in finsteren Zeiten werde gesungen von den finsteren Zeiten, lässt sich nicht übertragen auf die Corona-Pandemie, da jedes weitere Wort über Covid-19 das …

Der Zoo

Das eine ist der Markt und das andere die Wirklichkeit, wird die per Kurznachricht verhandelte Diskussion mit der Kollegin, Freundin, Komplizin, geschlossen. Worum geht es? Wieder einmal um das Gezerre zwischen Markt und Wirklichkeit, wieder einmal um den eigenen literarischen …