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Han Kang: Menschenwerk

Nach dem Korea-Krieg, der von 1950 bis 1953 dauerte und zur Teilung des Landes führte, lief die wirtschaftliche Entwicklung Südkoreas nur schleppend an, es kam in den nachfolgenden Jahren zu politischen Unruhen. Präsident Rhee dankte 1960 ab und ging ins …

Fatma Aydemir: Ellbogen

Die deutsch-türkische Journalistin und Schriftstellerin Fatma Aydemir [1] legt mit Ellbogen ihren Debütroman um die gerade volljährig gewordene Hazal Akgündüz vor. Diese, zum Beginn der Geschichte gerade noch siebzehnjährig, kann sich vor dem Filialleiter eines Supermarktes noch so halbwegs aus einem Ladendiebstahl herauslavieren. …

János Székely: Verlockung

Der Roman des 1901 in Ungarn geborenen, 1919 über Wien nach Berlin und 1938 letztendlich dann in die USA ausgewanderten Autoren und Drehbuchschreibers János Székely führt in das Jahr 1912 zurück nach Ungarn, es ist also kurz vor dem ersten …

Ilmar Taska: Pobeda 1946

Ich muss es zugeben (auch wenn ich glaube, daß ich in dieser Beziehung in guter Gesellschaft bin), daß ich über die Staaten am Ostrand der Ostsee nicht wirklich viel weiß. Lettland, Litauen, Estland – kleine Staaten, immer wieder Spielball der …

Charlotte Link: Sechs Jahre

Die Schriftstellerin Charlotte Link wird von ihrem Verlag als erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart beworben, ihre psychologischen Spannungsromane sind auch international erfolgreich [1]. Dieses Buch hier ist jedoch etwas völlig anderes, es ist ein sehr persönliches Buch, das Verfassen dieses …

Robert Olmstead: Der Glanzrappe

Anfang Juli 1863 tobte in der pennsylvanischen Kleinstadt Gettysburg eine der blutigsten Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs. Sie forderte um die fünfzigtausend (andere nennen höhere Zahlen, dies ist jedoch die im Roman kolportierte) Opfer, endete mit einer Niederlage der Konföderierten Armee …

Wilkie Collins: Die Frau in Weiß

Dieser Roman, dessen Erstveröffentlichung als Fortsetzungsroman 1860 erfolgte, stand Jahrzehnte bei mir als ungelesenes – und ich wage zu behaupten, seinerzeit ratlos in selbiges gestellte – Exemplar im Regal. Vielleicht brauchte ich als Leser einfach die vielen Jahre, um sozusagen …

Jürgen Bauer: Ein guter Mensch

Jürgen Bauer ist ein junger österreichischer Autor, der mit Ein guter Mensch seinen mittlerweile dritten Roman vorgelegt hat [1, 2]. Es ist ein dystopischer Roman, der in einer nahen (?) Zukunft spielt (es werden noch fossile Betriebsmittel verwendet), in einem von …

Deborah Feldman: Überbitten

Entweder man leugnete Gott, da die Shoah selbst seine Nichtexistenz, wenn nicht sogar seine Irrelevanz bewiesen hatte, oder aber man folgte der Vorstellung, Gott sei wutentbrannt, und schickte sich an, ihn durch vollkom­mene Selbstaufopferung auf dem Altar der rituellen Anbetung …

Klaus Schäfer: Vom Koma zum Hirntod

Der Autor dieses Fachbuches, Klaus Schäfer, hat einen bemerkenswerten Lebenslauf. Nach zwölf Jahren Bundeswehr studierte der 1959 Geborene katholische Theologie, trat dem Orden der Pallottiner bei und arbeitete von 1999 – 2014 als Klinikseelsorger, eine Tätigkeit, die er – nach …

Sarah Waters: Solange du lügst

Diesen 2002 erschienenen Roman der englischen Literaturwissenschaftlerin und Schrifstellerin Sarah Waters [1] zu besprechen, ist eine kleine Herausforderung für mich, denn ich muss von meinem altgewohnten Schema, mehr oder weniger ausführlich auf den Inhalt einzugehen, abweichen. Bei Solange du lügst …

Christoph Hein: Horns Ende

Christoph Heins erster Roman aus dem Jahr 1985 führt uns in eine mittlerweile weit entfernt scheinende Vergangenheit. Die Handlung ist angesiedelt in einer Kleinstadt, einer Kurstadt in der Nähe Leipzigs, im Jahr 1957, sie spielt in der damaligen DDR. Das …

Moyshe Kulbak: Montag

Der russisch/litauisch-jiddische Autor Moyshe Kulbak (Vilnius 1896 – Sibirien 1940) ist für mich kein ganz unbekannter. In der wunderbaren Anthologie Federmenschen (herausgegeben von Andrej Jendrusch [2]) ist er mit einer unendlich traurigen Geschichte vertreten. Es ist die Geschichte von Munje, …

Evelyn Waugh: Wiedersehen mit Brideshead

Des 1966 verstorbenen englischen Autoren Evelyn Waughs [1] bekanntester Roman Wiedersehen mit Brideshead, der vor wenigen Jahren in einer gelobten Neuübersetzung bei Diogenes wieder erschienen ist, stand seit Jahren ungelesen bei mir in einer/der alten Übersetzung von Franz Fein im Regal. …

Gay Talese: Der Voyeur

Gay Taleses  Der Voyeur ist ein verstörendes Buch, denn der Autor ist kein Romanschriftsteller, der sich Figuren ausdenkt und Handlungen konstruiert. Er ist ein Sachbuchautor, der nichts erfindet. Die Geschichten, die ich schrieb – so führt Talese aus –, erhielt ich …

Christian Buckard: Moshé Feldenkrais

Viele von uns, die ‚Rücken haben‘ (oder auch ‚Knie‘ etc pp), werden diesen Begriff schon gehört haben: Feldenkrais oder Feldenkrais-Methode. Was das genau ist, läßt sich auch nach dem Studium dieses Buches, das ich hier vorstellen möchte, nur schwer definieren, …

Anna Kim: Anatomie einer Nacht

… der Aufenthalt auf dem Mond im Lande des Tages erscheint so angenehm, daß jene, die hoffen können, unverzüglich dorthin zu gelangen, kaum den Tod zu fürchten haben. So ist der Selbstmord eine Versuchung, zu der der Mondgeist ermutigt. Dort …

Dennis Lehane: In der Nacht

Der in den siebziger Jahren unter Nixon ausgerufene und als Begriff in die Welt gesetzte „War on drugs“ hat so etwas wie einen Ahnen: das im 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von 1920 bis 1933 ausgesprochene landesweite Verbot …