Alle Artikel von intellectures

Im Labyrinth eines Verbrechens

Nach dem Welterfolg von »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist es um den irischen Autor John Boyne ruhiger geworden. Nach der Fortsetzung seines Bestsellers mit »Als die Welt zerbrach« ist nun sein Elemente-Quartett erschienen, eine Romanreihe über Missbrauch, Schuld und …

Babylon Hamburg

Anja Kampmann entfaltet in ihrem sprachgewaltigen und für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman «Die Wut ist ein heller Stern» in kurzen Szenen die Geschichte einer Artistin, die im roten Hamburg den Aufstieg der Nazis erlebt. Lyrisch verdichtet und …

Heilige Kollisionen

Dorothee Elmigers Roman »Die Holländerinnen« war der meist diskutierte, meist gelobte, meist nominierte und meist ausgezeichnete Roman des vergangenen Jahres. In einer Woche hält Elmiger ihre Antrittsvorlesung an der Universität Bonn, wo sie in diesem Jahr die Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung …

Das Gewicht der Performance

Mit der Neuübersetzung des »Decameron« von Luis Ruby und der Erstübersetzung der »Filocolo«-Legende von Moritz Rauchhaus sind zum 650. Todestag von Giovanni Boccaccio zwei zentrale Werke des italienischen Renaissance-Schriftstellers erschienen. Boccaccios Zeit begegnet einem in beiden Werken, seine verspielte Sprache nur …

Die Waffen der Wirtschaft

Die Journalistin Ulrike Herrmann schreibt in ihrem neuen Buch über »Geld als Waffe« und zeigt dabei auf, warum Russland und China politisch in der Sackgasse stecken. Ihre Analyse leidet jedoch an der Schnelllebigkeit der Gegenwart. Die Politik der Deals eines …

Innere Verhärtungen

Der dritte Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin von 2021 Nava Ebrahimi führt Leser:innen in die fiktive Kleinstadt Lasseren im niedersächsischen Emsland. In »Und Federn überall« ist ein großer Gegenwartsroman, in dem der Alltag von sechs Figuren aufeinanderprallen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Zukunftsstadt ohne Zukunft

Zum vierzigsten Mal jährt sich am 26. April die Atomkatastrophe von Tschornobyl. Mit »Reaktoren explodieren nicht« liegt nun ein illustriertes Jugendbuch vor, dass sich der Stadt, dem Kernkraftwerk, der Tragödie und der historischen Erfahrung verständlich und vielschichtig annähert….

Apokalypse am Arsch der Welt

Ken Kesey ist eine Kultfigur der amerikanischen Gegenkultur. Als literarischer Rebell und idealistischer Hippie wandte er sich schreibend gegen die Unterdrückung des Individuums und die Unterwerfung der Natur. Mit dreißigjähriger Verspätung liegt nun endlich sein letzter Roman »Seemannslied« vor, der …

Die Kraft der Unschärfe

Die 1981 in Teheran geborene Fotojournalistin und Künstlerin Newsha Tavakolian hat sich in ihr Archiv begeben. Aus den vor Jahrzehnten entstandenen, unvollkommenen Aufnahmen schält sie das Porträt ihrer Generation heraus, die trotz aller Schmerzen und Verluste nicht aufhört, von der …

Die Gewalt im System

Ein Blick in die Gegenwartsliteratur zeigt, wie Frauen von Erwartungsdruck, Ausbeutungsfantasien und sexualisierter Gewalt an den Rand des Wahnsinns und darüber hinaus getrieben werden. Literatur, die weibliche Lebenswelten präsentiert, ist vielfältig und lesenswert. Wer sie betritt, begibt sich nicht selten …

Die Geschichte der Deutschland AG

Konstantin Richter hat für seine Analyse »Dreihundert Männer« die eigene Biografie mit dem Aufstieg und Fall der Deutschland AG verwoben. Mit wirtschaftspolitischer Expertise und erzählerischem Drive führt er durch zwei Jahrhunderte deutscher Industriegeschichte.

Einsam am Klavier

1985 nimmt sich eine junge Pianistin in Neubrandenburg das Leben. Wenige Jahre zuvor hat sie noch internationale Preise gewonnen. Helene Bukowski nähert sich dieser Frau als guter Geist in Kreisen an, um dem Geheimnis dieses viel zu kurzen Lebens auf …

Heiliger und Hund

Der Debütroman des Lyrikers und Rassismusexperten Ozan Zakariya Keskinkiliç ist ein rhythmisches Gebet, gewidmet einer längst vergangenen Liebe. Der Held dieses Romans folgt seinem täglichen Begehren und sucht sich selbst zwischen Datingprofilen und Erinnerungen an seine Kindheit.

Wahrheit über Bord

Katerina Poladjan legt in ihrem mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Roman »Goldstrand« mal eben ein Jahrhundert auf die Couch, um zu fragen, was ein Leben und was Europa ist. Vom ersten Moment an zieht dieser in filmischen Szenen …

Alles scheint an seinem Platz

Der magische Realismus scheint in Zeiten des Hyperrealismus in der deutschsprachigen Literatur eher ins Hintertreffen zu geraten. Die realistische Autofiktion dominiert hierzulande die Literatur. In der internationalen Literatur wird weiterhin gern auf fantastische Elemente zurückgegriffen, wie aktuelle Übersetzungen der Romane …

Ganz normale Frauen

Die in Österreich aufgewachsene Comiczeichnerin UIIi Lust stellt In Ihrer preisgekrönten Comic-Erzählung »Die Frau als Mensch« die Geschichte der Eiszeitmenschen in ein neues, magisches Licht. Nachdem der erste Band mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde, ist der die Geschichte abschließende …

Zukunftslabor oder Zone der Niedertracht?

Steffen Mau bezeichnete Ostdeutschland kürzlich als Laboratorium der Demokratie. Angesichts der anstehenden Wahlen in diesem Jahr lohnt es sich, auf das gesellschaftliche Klima zu schauen. Der Sammelband »Extremwetterlagen« versucht das als offene Feldforschung im Osten Deutschlands, der Essay »Mentalitäten« scheitert …

Über Kino und Haltung

Die 76. Berlinale geht heute mit dem Publikumstag zu Ende, mit Ilker Çatak hat seit 22 Jahren erstmals wieder ein Filmemacher aus Deutschland den Goldenen Bären gewonnen. Begleitet wurde das Festival von einer politischen Kontroverse, bei der das Wesentliche aus …