Der Nerd und die Nazis
Hermann Oberth (vorne) in Huntsville, Alabama, 1956: Ein Utopist, der die Erfüllung seiner eigenen Utopie erlebt hat. Foto: U.S….
Hermann Oberth (vorne) in Huntsville, Alabama, 1956: Ein Utopist, der die Erfüllung seiner eigenen Utopie erlebt hat. Foto: U.S….
Bret Easton Ellis: Weiß Ein alter weißer Mann (immerhin schwul) läuft seiner einstigen Bedeutung als Autor hinterher. – So einfach ist es nicht….
Als ich zum ersten Mal Gedichte von Thomas Kunst las, dachte ich mir: So kann man heute keine Gedichte schreiben. Und als ich sie vom Dichter vorgelesen hörte, dachte ich mir: So kann man seine Gedichte nicht vorlesen. Und dann, …
Mit Lena Dunham in Iowa: „Girls“, Staffel 4, Folge 2. Solltest du bereits geklärt haben, wofür du stehst, für Amore oder Gelati, aber noch Gehhilfe brauchen im Schreibprozess, dann mach dich auf den Weg nach Iowa in den berühmten „Writers’ …
DIETER BANDHAUER Welches war das erste Buch, das du übersetzt hast? GERRIT BUSSINK Das war ein Glücksfall: Peter Handkes Die Angst des Tormanns beim Elfmeter….
GISELA TRAHMS Wann sind Sie Julien Gracq zum ersten Mal begegnet? DIETER HORNIG Ich habe Gracq zum ersten Mal 1989 – auf seinen Wunsch hin – in seiner Pariser Wohnung in der Rue de Grenelle 71 besucht, nachdem ich die …
Der Schäßburger Sommer des Jahres 1899 war heiß wie immer. In den Häusern staute sich die Hitze, auf den Uferwiesen der Kokel verbrannte das Gras, und wenn man vom Siechhofberg durch die flimmernde Luft hinunter auf die kleine siebenbürgische Stadt …
Von 10. bis 12. September 2014 veranstaltete die Kunststiftung NRW in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin eine Klausurtagung mit deutschsprachigen Autorinnen und Autoren in deren Rahmen über die Zukunft literarischen Schreibens diskutiert wurde….
Die Literatur der Zukunft wird wohl genau wie zuvor versuchen, der jeweiligen Gegenwart einen Kunstentwurf entgegenzustellen, der diese Gegenwart in sich aufhebt, nämlich auf irgendeine Weise darstellt, ob nun episch, exzessiv oder in nuce, und etwas Charakteristisches dieser Gegenwart aufscheinen …
Wer in Manu Larcenets deformierten Männerwelten Opfer und wer Täter ist, bleibt oft unklar. Illustration: © Manu Larcenet Polza Mancini wird verhört. Die ihm gegenübersitzenden Polizisten ekeln sich sichtlich vor dem menschlichen Koloss, den sie zu einem Geständnis bewegen wollen….
Natürlich geht so etwas nicht von heute auf morgen. Solche Veränderungen vollziehen sich niemals schlagartig, und auch wenn ich weiß, dass man mit solchen Behauptungen sehr sehr vorsichtig sein muss: So ist die Welt wohl einfach nicht gestrickt. Vielmehr neigt …
Neulich las ich Vaterhaus von Bea Dieker und traf auf eine Stelle, in der das Kind in eine Besenkammer gesperrt wird. Ich begann über Besenkammern nachzudenken. Ich werde öfter gefragt, wie Erinnerung funktioniert….
Ein Café im Hamburger Schanzenviertel. Nino Haratischwili zündet sich eine Zigarette an und lacht laut, als sie erzählt, dass sie neulich ihre Geburtsurkunde brauchte: UdSSR steht da noch drauf, und Lenin wacht über ihren Namen. Das war 1983….
JENS-FIETJE DWARS Ihr neuer Gedichtband, der zur Buchmesse beim Wallstein Verlag erscheint, trägt einen einzigen Buchstaben als Titel: V. In der Verlagsankündigung heißt es, „V“ sei eine Chiffre für den schwierigen Begriff Vaterland. Warum gerade jetzt dieses Thema?…
„Bei Herrn Raddatz sinke am Abend aber nur langsam der Pegel in der Bordeaux-Flasche. Betrachtet werden dazu maßlos wertvolle Kunstwerke.“ Foto: Susanne Schleyer / Autorenarchiv….
Das Haus auf einem waldigen Hügel im Westen von Massachusetts unterscheidet sich kaum von anderen alten Häusern der Gegend, die bis heute oft im traditionellen Stil erbaut werden: mit hell lackierter Holzverschalung, ein oder mehreren Veranden, Gauben und grauen Bitumenschindeln …
In der Welt konnte man vor wenigen Monaten den Essay „Der Roman ist tot (jetzt aber wirklich)“ von Will Self lesen. Ein solcher Abgesang wird natürlich nicht das erste Mal angestimmt, im Gegenteil, die Beschwörung seines Endes begleitet den Roman …
Viren unter dem Elektronenmikroskop Viren haben eine präzise geometrische Struktur. Sie können nicht beliebige Körper bilden. Weil sie so robust sind und weil sie halb den Gesetzen der Kristalle, also der Hardware und der toten Materie, und zur anderen Hälfte …
Heinrich Schirmbeck blieb ein Außenseiter im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit. Foto: Helga Schirmbeck Sprache im technischen Zeitalter heißt eine berühmte, von Walter Höllerer 1961 gegründete und nach wie vor vom Literarischen Colloquium Berlin herausgegebene Literaturzeitschrift. Sie wäre zumindest für Heinrich Schirmbecks …
Nach seiner expressionistischen Phase radikalisiert Franz Richard Behrens seinen Reduktionismus und Minimalismus noch einmal: Er schreibt „Ein-Wort- Gedichte“ und Gedichte, die nur aus Zahlen bestehen. MICHAEL BRAUN „Expressionist Artillerist“: So heißt das erste Gedicht, das der heute vergessene Dichter Franz …
Dass der Leipziger Buchpreis in diesem Frühjahr an den Lyriker Jan Wagner ging, galt offensichtlich nicht nur dessen Band Regentonnenvariationen an sich, sondern war zugleich als Signal intendiert: Mit dem allgemeinverträglichen Gedichtband sollte die Lyrik als – so darf man …
Dana Becher-Roda, Joe Berger und Ulrich Becher in Wien, Anfang der 60er-Jahre. Foto: Nachlass Ulrich Becher / Schweizerisches Literaturarchiv, Bern Mit Walter Muschg, dem Basler Literaturprofessor, hatte ich mich im Café Sacher verabredet. Muschg bestellte sich einen Kaffee Hag und …
Immer, wenn ich einen Aufsatz über eine bestimmte Fragestellung zu schreiben habe, mache ich mir das kleine Präliminarvergnügen, die allerschlechteste Publikation zu dem Thema zu suchen, die es gibt. In dem vorliegenden Fall war das Ergebnis dieser Negativ-Recherche geradezu spektakulär. …
Im Herbst 1972 entschloss sich Georges Simenon, damals 69 Jahre alt, die Schriftstellerei definitiv aufzugeben. Der Entscheid erfolgte ziemlich unvermittelt und wurde bekräftigt dadurch, dass der weltweit berühmte Großschriftsteller all seine Personalpapiere korrigieren ließ – statt seiner Bezeichnung als „Romancier“ …
Georges Perros: „All den ungestümen Wesen, die sich unter meinem erbärmlichen Namen regen, das Wort geben.“ (Foto: Marc Foucault) Man sagt mir, ich sei geboren / aber in so einem komischen Ton“, mit diesem Satz beginnt Georges Perros „Gedichtroman“ …